M 15 – Messier 15 – ein uralter Sternenball mit einem geheimnisvollen Zentrum

Ort: Schwedt, Datum: 15.08.2026, 00:51 Uhr bis 15.08.2026 03:00 MESZ
Teleskop: Seestar S50, 478 Lights je 10 Sekunden (gesamt: 79m 40s)
Gestapelt und leicht bearbeitet mit Seestar APP, weitere leichte Bearbeitung mit PixelMator Pro
Messier 15, kurz M 15 und auch als NGC 7078 bezeichnet, ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Pegasus. Er gehört zu den ältesten Sternsystemen unserer Milchstraße und zugleich zu den dichtesten Kugelsternhaufen, die wir kennen.
Mehr als 100.000 Sterne – Schätzungen reichen bis zu mehreren hunderttausend – sind hier durch ihre gegenseitige Schwerkraft zu einem annähernd kugelförmigen Sternenschwarm verbunden. Der gesamte Haufen erstreckt sich über etwa 175 Lichtjahre. Besonders außergewöhnlich ist jedoch sein Zentrum: Dort drängen sich die Sterne auf einem vergleichsweise winzigen Raum zusammen.
Messier 15 ist etwa 33.600 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Licht, das wir heute von seinen Sternen empfangen, hat somit rund 33.600 Jahre benötigt, um uns zu erreichen. Wir sehen M 15 deshalb nicht so, wie er heute aussieht, sondern so, wie er vor etwa 33.600 Jahren ausgesehen hat. Als das Licht, das heute auf den Sensor einer astronomischen Kamera trifft, den Sternhaufen verließ, lebten auf der Erde Menschen der Altsteinzeit. Jede Beobachtung von Messier 15 ist damit zugleich eine Reise in die Vergangenheit. Die Entfernung in Lichtjahren sagt uns nicht nur, wie weit ein Objekt entfernt ist, sondern auch, wie weit wir in der Zeit zurückblicken.
Mit einem Alter von ungefähr 12 Milliarden Jahren gehört M 15 zu den ältesten Bestandteilen unserer Galaxis. Seine Sterne entstanden lange vor unserer Sonne, die erst vor etwa 4,6 Milliarden Jahren entstand. Auch ihre chemische Zusammensetzung verrät ihr hohes Alter. Die Sterne von M 15 besitzen nur einen sehr geringen Anteil an Elementen, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind. Astronomen sprechen von einer geringen „Metallizität“. Die Ursache liegt in der Entwicklungsgeschichte des Universums. Viele der schwereren chemischen Elemente wurden erst im Inneren früherer Sterngenerationen erzeugt und nach deren Tod in den Weltraum abgegeben. Als die Sterne von M 15 entstanden, hatte dieser Prozess erst vergleichsweise kurze Zeit stattgefunden. Kugelsternhaufen wie M 15 sind deshalb für die Astronomie von großer Bedeutung. Sie haben einen Teil der Bedingungen bewahrt, die in einer frühen Phase der Entwicklung unserer Milchstraße herrschten.
Die auffälligste Besonderheit von Messier 15 befindet sich in seinem Zentrum. Dort stehen die Sterne außergewöhnlich dicht beieinander. M 15 hat im Laufe seiner langen Entwicklung einen sogenannten Kernkollaps durchlaufen. Dieser Begriff bedeutet nicht, dass der gesamte Sternhaufen plötzlich in sich zusammengestürzt ist. Vielmehr handelt es sich um einen sehr langsamen, über Milliarden Jahre ablaufenden Prozess. Durch die zahlreichen gravitativen Wechselwirkungen zwischen den Sternen wird Energie innerhalb des Sternhaufens umverteilt. Einige Sterne gelangen dabei auf weiter außen liegende Bahnen, während andere immer stärker zum Zentrum wandern. Der Kern des Sternhaufens wird dadurch zunehmend kompakter. Das Ergebnis können wir heute beobachten: Im Zentrum von M 15 befinden sich auf engstem Raum außerordentlich viele Sterne. Würde sich unsere Sonne in einer solchen Umgebung befinden, wäre der Nachthimmel vollkommen anders als auf der Erde – er wäre von einer gewaltigen Zahl heller Sterne erfüllt.
Die ungewöhnlich hohe Sterndichte hat zu einer weiteren spannenden Frage geführt: Verbirgt sich im Zentrum von Messier 15 ein Schwarzes Loch? Beobachtungen der Bewegungen von Sternen im Zentralbereich lassen auf eine große, unsichtbare Masse schließen. Als mögliche Erklärung wurde ein Schwarzes Loch mittlerer Masse vorgeschlagen. Solche Objekte würden eine bislang nur unvollständig verstandene Zwischenstufe zwischen stellaren Schwarzen Löchern mit wenigen Sonnenmassen und den supermassereichen Schwarzen Löchern in den Zentren großer Galaxien darstellen. Ein Schwarzes Loch in M 15 gilt jedoch nicht als zweifelsfrei nachgewiesen. Die beobachteten Bewegungen könnten auch durch eine starke Konzentration kompakter Sternreste – beispielsweise Neutronensterne und Weiße Zwerge – im Zentrum erklärt werden. Gerade diese noch offene Frage macht Messier 15 für die moderne Astrophysik besonders interessant.
M 15 besitzt noch eine weitere Besonderheit: In ihm befindet sich der planetarische Nebel Pease 1. Planetarische Nebel entstehen, wenn sonnenähnliche Sterne am Ende ihres Lebens ihre äußeren Gasschichten abstoßen. Der heiße zurückbleibende Sternkern regt dieses Gas zum Leuchten an und entwickelt sich schließlich zu einem Weißen Zwerg. Planetarische Nebel sind in Kugelsternhaufen äußerst selten. Pease 1 war der erste planetarische Nebel, der überhaupt in einem Kugelsternhaufen entdeckt wurde, und gehört bis heute zu den wenigen bekannten Beispielen. Seine Beobachtung ist allerdings anspruchsvoll. Obwohl M 15 bereits mit kleinen Instrumenten gut sichtbar ist, benötigt man für Pease 1 ein größeres Teleskop, hohe Vergrößerung und sehr gute Beobachtungsbedingungen.
Entdeckt wurde Messier 15 im Jahr 1746 von dem italienisch-französischen Astronomen Jean-Dominique Maraldi. Charles Messier beobachtete das Objekt 1764 und nahm es in seinen Katalog auf.
Mit den damaligen Teleskopen ließ sich der Lichtfleck noch nicht in einzelne Sterne auflösen. Erst William Herschel erkannte einige Jahrzehnte später, dass M 15 in Wirklichkeit aus einer gewaltigen Zahl einzelner Sterne besteht.
Mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa 6,2 mag ist M 15 unter guten Bedingungen bereits mit einem Fernglas als kleiner, diffuser Lichtfleck zu erkennen. Im Teleskop zeigt sich sein stark konzentriertes Zentrum. Mit größerer Öffnung werden zunehmend einzelne Sterne in den äußeren Bereichen des Haufens sichtbar.
Messier 15 in Zahlen
Objekt: Kugelsternhaufen
Katalogbezeichnungen: Messier 15, M 15, NGC 7078
Sternbild: Pegasus
Entfernung: ca. 33.600 Lichtjahre
Alter: ca. 12 Milliarden Jahre
Durchmesser: ca. 175 Lichtjahre
Anzahl der Sterne: mehr als 100.000, möglicherweise mehrere hunderttausend
Scheinbare Helligkeit: ca. 6,2 mag
Rektaszension: ca. 21h 30m
Deklination: ca. +12° 10′
Entdecker: Jean-Dominique Maraldi, 1746
Aufnahme in den Messier-Katalog: Charles Messier, 1764
Besonderheiten: Kernkollaps; möglicher Kandidat für ein Schwarzes Loch mittlerer Masse; planetarischer Nebel Pease 1
Messier 15 ist damit nicht nur ein eindrucksvoller Kugelsternhaufen. In ihm lassen sich ganz unterschiedliche Kapitel der Sternentwicklung beobachten: uralte Sterne aus der Frühzeit unserer Galaxis, Weiße Zwerge und andere Sternreste, ein seltener planetarischer Nebel und ein extrem verdichtetes Zentrum, dessen genaue Natur noch immer Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen ist.
Wenn wir M 15 betrachten, sehen wir Licht, das seit rund 33.600 Jahren durch den Weltraum unterwegs war. Hinter dem kleinen Lichtfleck im Sternbild Pegasus verbirgt sich ein gewaltiges Sternsystem – und ein nahezu 12 Milliarden Jahre altes Zeugnis der Geschichte unserer Milchstraße.