M 5 – Messier 5 – ein Sternenmeer aus der Frühzeit der Milchstraße


M 5 ss
Ort: Schwedt, Datum: 28.04.2026, 22:21 Uhr bis 29.04.2026 03:00 MESZ
Teleskop: Seestar S50, 1025 Lights je 10 Sekunden (gesamt: 170m 50s)
Gestapelt und leicht bearbeitet mit Seestar APP, weitere leichte Bearbeitung mit PixelMator Pro

Messier 5, kurz M 5 und auch als NGC 5904 bezeichnet, ist ein Kugelsternhaufen im Sternbild Schlange (Serpens). Er gehört zu den ältesten bekannten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße. Seine Sterne sind nahezu 13 Milliarden Jahre alt – sie entstanden also nur etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall.

Mehr als 100.000 Sterne sind in M5 durch ihre gegenseitige Schwerkraft zu einem gewaltigen, annähernd kugelförmigen Sternenschwarm verbunden. Der Sternhaufen besitzt einen Durchmesser von ungefähr 165 Lichtjahren. Besonders im Zentrum stehen die Sterne außerordentlich dicht beieinander.

Messier 5 ist etwa 25.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Das Licht, das wir heute von seinen Sternen empfangen, hat deshalb ungefähr 25.000 Jahre benötigt, um uns zu erreichen. Wir sehen M 5 also nicht so, wie er heute ist, sondern so, wie er vor rund 25.000 Jahren aussah. Als das Licht, das heute in unseren Teleskopen und Kameras ankommt, den Sternhaufen verließ, befand sich die Menschheit noch in der Altsteinzeit. Astronomische Entfernungsangaben in Lichtjahren sind deshalb immer zugleich Zeitangaben. Je weiter wir in das Universum hinausschauen, desto weiter schauen wir auch in seine Vergangenheit.

Mit einem Alter von nahezu 13 Milliarden Jahren ist M5 ungefähr dreimal so alt wie unsere Sonne. Seine Sterne entstanden in einer sehr frühen Phase der Entwicklung der Milchstraße. Das lässt sich auch an ihrer chemischen Zusammensetzung erkennen. Die Materie des frühen Universums bestand fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium. Viele der schwereren Elemente, aus denen später Planeten und schließlich auch die Erde entstanden, wurden erst im Inneren mehrerer Generationen von Sternen erzeugt und durch Supernovae und andere Prozesse in den Weltraum abgegeben. Die alten Sterne von M 5 enthalten deshalb wesentlich weniger schwere Elemente als unsere Sonne. Astronomen sprechen von einer geringen „Metallizität“. Sie ist eines der Merkmale, an denen sich die frühe Entstehungsgeschichte solcher Sternpopulationen erkennen lässt.

M 5 hält für die Astronomie eine besondere Überraschung bereit. Zwischen seinen Milliarden Jahre alten Sternen befinden sich auffallend heiße und blau leuchtende Sterne. Sie wirken wesentlich jünger, als sie in einem derart alten Sternhaufen eigentlich sein dürften. Diese Sterne werden als Blue Stragglers, auf Deutsch etwa „Blaue Nachzügler“, bezeichnet. Sie sind jedoch wahrscheinlich nicht Milliarden Jahre später als die übrigen Sterne entstanden. Stattdessen vermutet man, dass sie durch Wechselwirkungen zwischen bereits vorhandenen Sternen gleichsam verjüngt wurden. Zwei Sterne können miteinander verschmelzen, oder ein Stern kann einem Begleitstern Materie entziehen. Dadurch erhält ein Stern zusätzliche Masse und kann heißer und heller werden. Er erscheint dann blau und ungewöhnlich jung. Gerade in einem dicht bevölkerten Kugelsternhaufen wie M 5 sind enge Begegnungen und Wechselwirkungen zwischen Sternen wesentlich wahrscheinlicher als in der Umgebung unserer Sonne.

Messier 5 enthält außerdem zahlreiche veränderliche Sterne. Von besonderer Bedeutung sind die sogenannten RR-Lyrae-Sterne. Ihre Helligkeit schwankt regelmäßig, weil sich die Sterne periodisch ausdehnen und wieder zusammenziehen. Solche Sterne spielen in der Astronomie eine wichtige Rolle. Aus ihren beobachteten Eigenschaften lässt sich ihre tatsächliche Leuchtkraft bestimmen. Vergleicht man diese mit der Helligkeit, mit der sie von der Erde aus erscheinen, kann daraus ihre Entfernung berechnet werden. RR-Lyrae-Sterne dienen deshalb als kosmische Entfernungsmesser. Auch die Entfernung von M5 wurde mit ihrer Hilfe sehr genau untersucht.

Entdeckt wurde Messier 5 im Jahr 1702 von dem deutschen Astronomen Gottfried Kirch, als er einen Kometen beobachtete. Mit den damaligen Instrumenten war jedoch noch nicht zu erkennen, dass das Objekt aus einer gewaltigen Zahl einzelner Sterne besteht. Charles Messier beobachtete den Sternhaufen 1764 und nahm ihn als fünftes Objekt in seinen berühmten Katalog auf. Er beschrieb M 5 noch als runden Nebel, in dem keine Sterne zu erkennen seien. Erst leistungsfähigere Teleskope zeigten, was sich hinter diesem vermeintlichen Nebelfleck verbarg: ein riesiger Schwarm aus mehr als hunderttausend Sternen.

Heute gehört M 5 zu den eindrucksvollsten Kugelsternhaufen für Amateurastronomen. Im Fernglas erscheint er zunächst als kleiner diffuser Lichtfleck. Mit zunehmender Teleskopöffnung werden immer mehr Sterne am Rand des Haufens sichtbar, während sein dichtes Zentrum als konzentriertes Leuchten erscheint.

Messier 5 in Zahlen

Objekt: Kugelsternhaufen
Katalogbezeichnungen: Messier 5, M 5, NGC 5904
Sternbild: Schlange (Serpens)
Entfernung: ca. 25.000 Lichtjahre
Alter: nahezu 13 Milliarden Jahre
Durchmesser: ca. 165 Lichtjahre
Anzahl der Sterne: mehr als 100.000
Scheinbare Helligkeit: ca. 6,7 mag
Rektaszension: ca. 15h 18m 33s
Deklination: ca. +02° 05′
Entdecker: Gottfried Kirch, 1702
Aufnahme in den Messier-Katalog: Charles Messier, 1764

Messier 5 ist damit weit mehr als eine eindrucksvolle Ansammlung von Sternen. Der Kugelsternhaufen ist ein nahezu 13 Milliarden Jahre altes Zeugnis aus der Frühzeit unserer Milchstraße. Seine uralten Sterne erzählen von den Bedingungen im jungen Universum, seine veränderlichen Sterne helfen uns, kosmische Entfernungen zu bestimmen, und seine rätselhaften Blue Stragglers zeigen, dass selbst in einem der ältesten Sternsysteme unserer Galaxis noch immer dynamische Prozesse stattfinden.